Regis Matzinger arbeitet als Chocolatier. @Christoph Breithaupt
Regis Matzinger startet mit Drittligist TV Willstätt am Wochenende nach Ostern in die Aufstiegsrunde zur 2. Liga. Der Rechtsaußen aus dem Elsass ist im Hauptberuf Chocolatier. 

 

Regis Matzinger ist froh, wenn Ostern vorbei ist. Das Fest der Auferstehung Christi bedeutet für den 28 Jahre alten Rechtsaußen des Handball-Dittligisten TV Willstätt sehr viel Arbeit. Denn traditionell gibt es über die Ostertage viele, viele Hasen und Eier aus Schokolade: Und der Linkshänder aus Schiltigheim im Elsass ist in seinem Hauptberuf Chocolatier. Zehn Stunden Arbeit am Tag sind für den Franzosen vor den Feiertagen normal – und dieses Pensum leistet er immerhin seit Februar. Dazu kommt auch, dass er jeden Samstag arbeitet und zudem zweimal sonntags. „Wir machen zwei Drittel unseres Jahres-Umsatzes über Weihnachten und Ostern“, erklärt der Chocolatier bei Henner Frères in Straßburg-Robertsau.

Arbeit hat Vorrang

Vor allem vor diesen Festtagen ist es nicht immer ganz einfach, Beruf und Sport unter einen Hut zu kriegen. Vor einer Woche musste Regis Matzinger deshalb auch für das Testspiel bei der SG Pforzheim-Eutingen (33:31-Sieg) passen. Die Arbeit hat Vorrang, auch wenn die 3. Liga als Profiliga gilt, und deshalb die Drittliga-Vereine trotz des Corona-Lockdowns trainieren und spielen dürfen. Auch das Pendeln über die Grenze zu Training und Spiel ist aufgrund des Profi-Status für den Schiltigheimer, der mit seiner Freundin Marlen, einer 32 Jahre alten Lehrerin, im Elsass lebt, erlaubt.

„Ich liebe Schokolade. Immer wenn ich sie schmelze, probiere ich sie auch“, erzählt Regis Matzinger von seiner Leidenschaft, die er zum Beruf gemacht hat. „Ursprünglich bin ich Konditor geworden, weil ich gerne Süßes esse“, schildert er seinen Berufsweg, der ihn über eine zweijährige Konditoren-Ausbildung zur Schokoladen-Herstellung geführt hat. „Man kann mit Schokolade alles machen. Dazu gibt es viele Unterschiede in Geschmack und Herkunft“, schwärmt der Chocolatier, der seit 2016 bei dem Familien-Betrieb Henner Frères mit zwei Chefs und sieben Angestellten arbeitet und dort auch schon größere Skulpturen – wie einen rund einen Meter hohen Baum mit 1600 Blüten – aus Schokolade gefertigt hat. „Nach zehn Monaten wurde der wieder eingeschmolzen, denn dann kam Weihnachten, und wir haben Weihnachtsmänner draus gemacht“, erzählt Regis Matzinger schmunzelnd von seiner leckeren, schönen, aber auch vergänglichen Ware.

Am liebsten mag der Willstätter Handballer, der mit Christopher Räpple (32) auch noch einen Konditor-Meister von der Bäckerei Kaminski in Gengenbach als Mitspieler hat, Schokolade von der Karibik-Insel Grenada. „Die schmeckt so schön würzig“, sagt er und ergänzt: „Schokolade aus dem Supermarkt kaufe ich überhaupt nicht mehr. Da schmeckt man einfach zu viel Zucker.“

Fokus auf Aufstiegsspiele

Nach Ostern rückt für Regis Matzinger der Handball wieder mehr in den Vordergrund. 2016 war der Linkshänder vom damaligen französischen Drittligisten ESSAHB, Eurometropole Strasbourg Schiltigheim Alsace Handball – jetzt SEHB (Strasbourg Eurometropole Handball) und inzwischen in der 2. Liga, nach Willstätt gekommen und hatte gleich im ersten Jahr mit dem TVW die Meisterschaft in der BW-Oberliga gefeiert. Ab nächster Woche will der Franzose, der in seiner Handball-Zeit in Frankreich immer nur Zweiter war, aber 2009 mit dem SC Selestat immerhin französischer U18-Vizemeister geworden war, zum zweiten Mal nach dem Aufstieg greifen. Denn dann stehen die Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga an.

Nach dem Abbruch der Drittliga-Saison 2020/21 wegen der Corona-Pandemie hat sich der TV Willstätt mit 13 weiteren Drittliga-Vereinen bundesweit für die Teilnahme an einer Aufstiegsrunde (zwei Gruppen mit jeweils sieben Teams) beworben. Zwei Plätze für die 2. Liga werden dabei ausgespielt. Der TV Willstätt startet am Samstag, 19.30 Uhr, in der Gruppe B beim Mitte-Drittligisten TuS Kaiserslautern-Dansenberg. Am Samstag, 17. April, 20 Uhr folgt das erste Heimspiel in der Hanauerlandhalle gegen die HSG Krefeld/Niederrhein, einen der Topfavoriten. „Ich gebe alles für meinen Verein“, geht Regis Matzinger, der auch nächstes Jahr noch einen Vertrag beim TVW hat, zuversichtlich in die Aufstiegsrunde.

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