Am Mittwoch war es Lübbecke als Favorit, das einen völlig gebrauchten Tag gegen Dormagen erwischt hatte, nun bekam die HSG Konstanz nicht nur die geballte Wut des Tabellendritten ab, sondern hatte selbst einen solchen Tag zu beklagen. Nach einem 6:17-Pausenrückstand konnte sich die HSG im zweiten Durchgang ein klein wenig stabilisieren, war aber schließlich mit 23:37 unterlegen.

Von Beginn an dominierte der Ex-Erstligist, der wieder auf Yannick Dräger zurückgreifen konnte, während bei der HSG weiter Kapitän Tim Jud, Patrick Volz, Samuel Wendel und Moritz Ebert ausfielen. Für die HSG ging es dann gleich mit einem Pfostentreffer los. Sinnbildlich für den unglücklichen Abend in Ostwestfalen. 4:1 führten die Gastgeber nach knapp zwölf Minuten. Was dafür spricht, dass die HSG in der Deckung zumindest ordentlich dagegenhalten konnte, im Angriff gegen das Bollwerk des ehemaligen Europapokalsiegers aber überhaupt kein Mittel und Durchkommen fand – und wenn doch, stand Alosa Rezar, einer der besten Schlussmänner der Liga, fast immer auf dem Posten und hatte, als seine Mannschaft schon auf 14:14 erhöht hatte (25.), sagenhafte 67 Prozent der Würfe auf sein Tor abgewehrt. Einige Male musste er aber nicht einmal eingreifen, weil die HSG über oder neben das Tor warf.

Selbst die freien Chancen wollten an diesem Tag einfach nichts ins Eckige. Zu nervös wirkte Konstanz, das so nie die nötige Dynamik aufbauen konnte, um den massiven Riegel der Lübbecker in Bewegung zu bringen.

„Die ganz überlegene Mannschaft hat hochverdient gewonnen“, konnte Daniel Eblen so schnell einen Knopf hinter die Partie machen und ergänzte: „Das Spannungsmoment war unterschiedlich verteilt. Lübbecke war auf 180, wir haben ein schlechtes Spiel gemacht.“ Der HSG-Coach musste mit ansehen, wie Lübbecke zu einfachen Treffern kam, Gegenstöße lief und seinem Team nicht den Hauch einer Chance ließ. Dazu kamen viele Fehler auf Seiten der Gäste, inklusive Wechselfehler und fälliger Zeitstrafe, während bei Lübbecke wirklich alles lief und (fast) alles im Netz landete.

Nach dem Pausentee konnten die Gelb-Blauen die Partie etwas offener gestalten, hatten aber weiter mit zu vielen eigenen Fehlern zu kämpfen, als dass eine Resultatsverbesserung möglich gewesen wäre. Von den größer werdenden Lücken im Abwehrverbund profitierte vor allem Linkshänder Florian Baumgärtner. Der 2,06 Meter große Rückraum-Hüne nutzte den Raum ohne Kontakt immer wieder zu präzisen Abschlüssen.

Auf Konstanzer Seite erreichte hingegen keiner Normalform. Mehr als ein paar gute Aktionen waren nicht drin. Am deutlichen 36:27-Heimsieg gab nichts zu rütteln. Immerhin konnten sich am Schluss noch Felix Jaeger, David Knezevic und Felix Krüger in die Torschützenliste eintragen. „Was Lübbecke am Mittwoch passiert ist, war heute bei uns zu sehen“, bilanzierte Eblen. „Da war es jedoch der Favorit, der den schlechten Tag hatte, heute war es der Underdog. Wenn sowas passiert, kommt das dabei heraus.“ Solche Spiele tun weh, konstatierte er. Doch handballerisch könne man daraus nicht viel mitnehmen. Wichtig sei nur, dass „die Finger, die nun gezeigt werden, nicht auf den anderen gehen, sondern dass wir es zusammen machen.“

Jetzt kommt es zur interessanten Konstellation, dass sich am Freitag der deutliche Lübbecke-Bezwinger aus Dormagen und die HSG, mit einer herben Schlappe aus Lübbecke im Gepäck, am Schänzle messen. Eblen: „Die Aufgaben werden nicht einfacher. Wir werden unsere Schlüsse daraus ziehen. Am Freitag geht es direkt weiter.“

TuS N-Lübbecke – HSG Konstanz 37:23 (17:6)
TuS N-Lübbecke: Kowalski (3 Paraden), Rezar (10 Paraden); Bercvar (5), Heiny (3), Baumgärtner (9), Ebner (2), Petreikis, Bagaric (1), Strosack, Mundus, Dräger (3), Spohn (4), Nissen, Speckmann, Petrovsky (1), Skroblien (9/2).
HSG Konstanz: Maximilian Wolf (1 Parade), Michael Haßferter (2 Paraden) (beide Tor); Michel Stotz, Fabian Schlaich, Aron Czako (2), Felix Jaeger (2), Matthias Hild (1), Tom Wolf (2), Markus Dangers (7), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann (3), Fynn Beckmann (1), Joschua Braun, Peter Schramm (3), David Kneževic (1).
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